Dagons Erben

Cover-Artwork: Mark Freier
Cover-Artwork: Mark Freier

Tobias Bachmann

Dagons Erben

Horrorroman

 

Erschienen im September 2009

als Taschenbuch mit ca. 130 Seiten

bei Basilisk Verlag, Reichelsheim

ISBN 3-935706-39-1

12,00 EUR

Ein altes Grammophon gibt den Hinweis auf einen jahrelang geheim gehaltenen Code in Lovecrafts Schriften. Seltsam sphärische Musik führt den Kryptologen Zadok zu einer versunkenen Insel, deren Auftauchen aus dem Meer von einer Gruppe erwartet wird, die sich Dagons Erben nennt. Doch auf jener Insel lauert etwas: Ein Ding, das besser in den verbrorgenen Tiefen des Meeres vergessen hätte bleiben sollen.

Information: Das Buch erschien innerhalb der Edition Arkham als auf 99 Exemplare limitierter Band. Obwohl das Buch mit dem Vincent Preis 2009 als bester Horrorroman ausgezeichnet wurde, ist eine Neuauflage in dieser Form nicht geplant. Mich plagen aber Ideen für einen großen Roman, den ich um Dagons Erben herumschreiben möchte - Dagons Erben wäre also der Mittelteil des noch nicht verfassten Werkes. Interessierte Verlage dürfen mich gerne diesbezüglich kontaktieren.


Leseprobe

Buchpräsentation: Prescher und Bachmann auf der SherloCon 2012 in Hillesheim
Buchpräsentation: Prescher und Bachmann auf der SherloCon 2012 in Hillesheim

Am Meeresboden erblickte ich hunderte – wenn nicht gar tausende – unterschiedlichste Gebäude. Manche gewaltig wie Türme, andere nur wenige Stockwerke hoch. Einige Dächer liefen spitz zu, manche waren sogar rund, der Großteil aber ebenerdig. Aus dem Inneren der Gebäude strahlten bläulich-gelbe Lichter – ebenso auf den Straßen. Vereinzelte Bewegungen erweckten den Eindruck, als huschten zwischen den Häusern unzählige ameisengroße Objekte oder Lebewesen herum. Deutlich spürte ich das pulsierende Leben einer gigantischen Metropole.
Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich, dass das gesamte Areal von mehreren riesigen Glaskuppeln umgeben war, die ineinander übergingen und direkt in den Felsen ihren Abschluss fanden. Außerhalb der Stadt erspähte ich gläserne Röhren, in deren Inneren Straßen oder Schienen entlangführten. Einmal mehr kam ich mir wie auf einem fremden Planeten vor.
„Unglaublich!“ Ich konnte mich nicht daran sattsehen. Selbst Holmes wirkte beeindruckt und schien seinen Blick gar nicht vom Bugfenster abwenden zu können.
Neben ihm strahlte Boreas. „Das ist meine Heimat. Der Ort, an dem ich geboren wurde und an den ich jedes Mal voller Stolz zurückkehre. Ich wünschte, wir würden unter anderen Umständen herkommen. Es gibt so viele Dinge, die ich Ihnen gerne zeigen würde.“
„Tun Sie sich keinen Zwang an“, sagte Holmes, ohne seinen Blick von der stetig näherkommenden Unterwasserstadt zu lassen.
„Wir werden sehen. Vorerst habe ich meine Vorgesetzten über die aktuelle Lage informiert. Sie waren gelinde ausgedrückt verblüfft, dass ich schon jetzt zurückkehre und noch dazu in Begleitung. Aber sie sind ebenso neugierig wie ich, was Sie uns zu erzählen haben. Gleich nach unserer Ankunft werden Sie zu unserer Kommandozentrale gebracht, wo wir alle gespannt Ihren Schilderungen lauschen werden. Um etwaige Verständigungsprobleme zu vermeiden, wird Ihnen gleich im Hafen ein Übersetzer zur Verfügung gestellt.“
Nun wandte Holmes doch seinen Blick an Boreas. „Das heißt, Sie begleiten uns nicht zur Kommandozentrale?“
„Nicht direkt. Ich muss zuerst meinen Bericht abliefern. Eventuell ergibt sich demnächst die Gelegenheit, einige Punkte unserer Nachforschungen miteinander abzugleichen. Doch dazu später mehr.“
Mit diesen Worten zog er zwei der Hebel zurück, was augenblicklich die Geschwindigkeit drosselte, und drehte das Steuerrad einen Fuß weit nach links, um in einer Kurvenbewegung auf die Unterwasserstadt zuzusteuern. Neugierig verfolgte ich das Manöver und ignorierte für einige Momente meinen nervös grummelnden Magen.
Auf den letzten Yards reduzierte Boreas die Geschwindigkeit so weit, dass die Maschinen zu stottern begannen und das Unterwasserboot von einer unangenehmen Vibration erfasst wurde. Nach Luft schnappend krallte ich mich fest und beobachtete durch das Bugfenster, wie wir eine kleine Schleuse am Rande der Glaskuppel anvisierten. Kurz vor der Abgrenzung sanken wir in eine Vertiefung und tauchten nur einen Moment darauf in einer riesigen Halle auf, die mich auf absurde Weise an einen Bahnhof erinnerte.
Statt Abfahrtsgleise gab es hier allerdings unzählige, parallel zueinander verlaufende Stege, an deren Rändern hunderte ovale Metallkonstruktionen von beachtlicher Länge parkten. Höchstwahrscheinlich weitere Unterseeboote, ähnlich dem, in dem wir gereist waren. Diese Art der Fortbewegung gehörte hier offenbar zum Alltag.
Für mich hingegen war es Neuland und mich überkam ein Gefühl unendlicher Erleichterung, als unser Gefährt endlich zum Stillstand kam. Wir hatten die Reise überstanden. Und das sogar mit lebendigem Leibe. Wohler wäre mir nur gewesen, hätten wir uns nicht zwanzigtausend Meilen unter dem Meer befunden.
Boreas führte uns zu einer Kabine am Ende des Unterwasserbootes. Seine beiden schweigsamen Kameraden begleiteten uns. Die Freude über die Ankunft in der Heimat stand ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben. Wie selbstverständlich griffen sie nach Atemmasken, die über Schläuche mit einer klobigen Maschine auf der linken Raumseite verbunden waren. Direkt davor standen drei kleine Hocker, auf denen uns Boreas bat Platz zu nehmen. „Bitte setzen Sie sich diese Masken auf, damit wir Ihre Lungen auf den geänderten Druck anpassen können. Seien Sie unbesorgt, diese Prozedur muss jeder nach seiner Ankunft über sich ergehen lassen. Ich ebenso.“
Zögernd griff ich nach einer der Masken und schaute unsicher zu Holmes. Auch er schien einen Augenblick lang irritiert.
„Möglicherweise erschreckt Sie die Prozedur ein wenig oder sie ist Ihnen unangenehm. Aber seien Sie unbesorgt und behalten Sie die Maske bitte auf, bis Sie in dieser Anzeige das grüne Licht aufleuchten sehen.“ Er klopfte mit dem Zeigefinger auf eine weiße Fläche in der Mitte der Apparatur. Rechts von ihm betätigte sein Kamerad Minos einen Knopf. Eine Sekunde lang verkrampfte er sich und schloss die Augen, gleich darauf atmete er aber wieder tief und gleichmäßig. Nachdem Ladon die Prozedur ebenfalls über sich hatte ergehen lassen, schritten beide zu einer metallenen Tür im hinteren Teil der Kabine.
Zeitgleich mit Holmes und dem Kapitän setzte ich die Maske auf. Boreas betätigte drei Knöpfe und ich hatte das Gefühl, meine Lungenflügel würden explodieren. In meiner Brust brannte es wie nach einem Säureangriff. Gleichzeitig glaubte ich, meine Organe würden von innen heraus zerfetzt. Aus Angst, zu ersticken, hob ich die Hände zur Maske. Nur schwer widerstand ich dem Drang, sie herunterzureißen.
Die mehr als nur unangenehme Prozedur dauerte keine Minute, kam mir aber wie eine Ewigkeit vor. Als das grüne Licht aufleuchtete und sowohl Boreas als auch Holmes ihre Masken abnahmen, folgte ich dem Beispiel. Ich nahm an, dass sich sofort eine Besserung der Atmung einstellen würde. Doch meine Lungen fühlten sich nach wie vor verkrampft an und ließen kaum Sauerstoff hinein. Holmes’ unentspannten Gesichtsausdruck nach, kämpfte auch er mit Atemproblemen. Gerade als ich Boreas um Hilfe bitte wollte, reichte dieser jedem von uns ein Fläschchen mit Elixier.
Die Frage, ob ich dem Mann vertrauen durfte, stellte sich mir in diesem Moment nicht. Ich öffnete den Verschluss und leerte die Flasche in einem Zug. Nur Sekunden danach ließ die Verkrampfung nach und ich atmete wieder frei. Neben mir seufzte Holmes erleichtert auf. Zusammen gingen wir zur Tür, durch die Minos und Ladon mittlerweile nach draußen verschwunden waren.

 

© 2012 bei Tobias Bachmann und Sören Prescher

 

Sherlock Holmes und die Initialen des Inspektors

Eine exklusive Prologgeschichte mit dem Titel "Die Initialen des Inspektors" findet man kostenlos auf dem Literaturportal LITERRA.de

Sherlock Holmes wohnt in der Eifel

Der Bericht über meinen Besuch in Hillesheim, wo 2012 die SherloCon stattfand - einmal mehr auf LITERRA.de

Rezensionen

Nürnberger Nachrichten, 14.11.2012
Nürnberger Nachrichten, 14.11.2012

"Eine äußerst skurrile Story, gewürzt mit prägnantem Wortwitz, brillanten Dialogen, feinster Ironie. Man spürt auf jeder Seite den Respekt der Autoren vor dem Original, ohne es zu kopieren. Es ist die phantastische Idee, Klassisches à la Arthur Conan Doyles mit Futurismus zu verbinden, was den Roman so lesenswert macht."

Rezension auf GEISTERSPIEGEL.de von Wolfgang Brandt

 

"(...) anspielungsreich und respektvoll, also genau so, wie ich meine Pastiches mag."

Rezension auf DESPERATE-BOOKWIVES.de von Gunda

 

"Ein fantastischer Krimi, der trotz seiner futuristischen Elemente die Atmosphäre des Originals erstaunlich gut einfängt."

Rezension auf LITERRA.de von Florian Hilleberg

 

"Was die Figuren angeht, so bleiben Bachmanns und Preschers Holmes und Watson ihren bekannten Verhaltensmustern treu – Holmes rational und pragmatisch bis hin zur Schroffheit, Watson schwelgerisch was die fremde Kultur und bewundernd, was die Weiblichkeit angeht."

Rezension auf PHANTASTIK-COUCH.de von Elmar Huber

 

"Tobias Bachmann und Sören Prescher erledigen ihre Geschichte hervorragend."

Rezension auf LITERRA.de von Erik Schreiber

Marktspiegel, 06.02.2013
Marktspiegel, 06.02.2013